inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn, Vorarlberg
Kieselkalk ist ungeeignet zum Kalkbrennen: Bis zu 60% Quarz können die Kalksteine der Helvetischen Kieselkalk-Formation enthalten. Gelangen sie irrtümlich in einen Kalkofen, so schmilzt der Quarz und führt zur Verglasung. Verglaster Kieselkalk aber eignet sich nicht zur Erzeugung von Mörtel.
Foto: Bildarchiv inatura / Georg Friebe
Für die römerzeitliche Siedlung Brigantium konnte kaum ein besserer Platz gefunden werden, als die Ölrainterrasse in Bregenz: Vor Überschwemmungen geschützt, bot sie einen ebenen Siedlungsraum über dem Talboden. Im Herbst 2009 war Brigantium wieder Ziel archäologischer Studien. Mehrere Wohnhäuser mit Verkaufsläden und kleinen Gärten, sowie ein landwirtschaftliches Gebäude wurden erforscht. Dabei kamen in einer Mauer auch merkwürdige, gelblichweiß-cremefarbene Steine zum Vorschein.
Was die Archäologen als normales Baumaterial ansahen, erregte das Interesse des Geologen. Nach Reinigung der Steine zeigten sich milchig-blaugrüne Glaskrusten. Sie belegen, dass das Gestein sehr stark erhitzt worden war, bevor es zum Mauerbau verwendet wurde. Doch warum sollte Baumaterial erhitzt werden? Die Schotterbänke der Bregenzerach führen Kalkgerölle aus recht unterschiedlichen geologischen Einheiten. Dort fanden die Römer das Rohmaterial für die Gewinnung von Branntkalk und letztendlich von Mörtel. Sie haben den Kalkofen wohl wahllos mit unsortierten Geröllen beschickt. Darunter befand sich auch Kieselkalk, ein Kalkstein mit – je nach Ablagerungsraum – 5 bis 60% Quarz. Als der Kalk gebrannt wurde, schmolz der Quarz zu Glas. Doch aus verglastem Kieselkalk lässt sich kein Mörtel erzeugen. Die irrtümlich gebrannten Gerölle fanden als Ganzes beim Mauerbau Verwendung.
Objektdaten
Fundort: Bregenz – Brigantium (Böckle-Areal)
Formation: Helvetikum > Helvetische Kieselkalk-Formation
Alter: Untere Kreide > Hauterivium bis Unteres Barremium, ~128–135 Mill. J.
Sekundär: Römerzeitlich, ca. 1. Jahrhundert n. Chr.
Inventarnummer: VNS G.746
Literatur: Friebe G. 2010: Brigantium geologisch betrachtet. inatura aktuell 2010/2, 10f. // Wyssling G. 1986: Der frühkretazische helvetische Schelf in Vorarlberg und im Allgäu – Stratigraphie, Sedimentologie und Paläogeographie. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 129/1, 161-265.
inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn
Jahngasse 9
6850 Dornbirn
+43/ 5572/ 232 35 -0
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DAS Holzmuseum, St. Ruprecht/Falkendorf, Steiermark
Behältnismöbel für Brot. Hier wurden für die tägliche Brotsuppe ‚Brockn‘ (kleine Brotstücke) vorgeschnitten. Durch Schließen der Abdeckung war für eine mäuse- und kindersichere Aufbewahrung gesorgt. Diese besondere ‚Brotdose‘ war nur auf größeren Höfen vorhanden.
Foto: Margarete Leitner / Roswitha Sunk
Der sogenannte Brocknlotterist eine spezielle Vorrichtung zum Vorschneiden trockenen Brotes, die im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet (Bezirk Murau) verwendet wurde. Man setzte sich auf die dazugehörige Bank, der Brotlaib wurde eingespannt und mit Hilfe eines Reifmessers bzw. einem Sensenteil in dünne Brotschnitten ‚abgehobelt‘. Es wurde niemals frisches Brot, sondern immer ‚Altbackenes‘ verwendet. Brot wurde nicht täglich frisch gebacken, sondern in größeren Abständen. Es wurde mäuse- und kindersicher auf Brotreben, von der Decke hängende Halterungen für mehrere Brotlaibe, gelagert. Bei Bedarf wurde das ausgetrocknete, meist sehr harte Brot verspeist. Die Arbeit am ‚Brocknlotter‘ verrichteten meist alte Mägde, bzw. Personen die nur mehr leichte Arbeiten verrichten konnten, wobei trotzdem Fingerfertigkeit gefragt war. Verteilt wurden die ‚Brockn‘ für die allabendliche Milchsuppe auch Schottsuppe vom Bauern selbst, der, so die Überlieferung, (sehr wohl) zwischen Hausleuten und Gesinde unterschied.
Objektdaten
Material: Lärchenholz; ein hölzerner Schraubstock mit geschmiedeten Eisenspitzen – als Halterung für den Brotlaib; mit Deckel als Verschluss
Maße: Gesamtlänge inkl. Bank 133 cm, Kotter 73 x 55 x 46 cm
Herkunft: Ingolstal, St. Salvator, Kärnten
DAS Holzmuseum
Hans Edler Platz 1
8862 St.Ruprecht
+43/ 3534/ 2202
office@holzmuseum.at
www.holzmuseum.at
Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim, Alkoven, Oberösterreich
Fragmente einer Tasse der in der ‚Euthanasie’-Anstalt Hartheim ermordeten Eva Gessl, gefunden bei Grabungen im ehemaligen Garten des Schlosses Hartheim in den Jahren 2001/2002.
Foto: Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim
In Schloss Hartheim wurden in den Jahren 1940 bis 1944 bis zu 30.000 psychisch kranke und behinderte Menschen sowie KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter/-innen ermordet. Die Täter versuchten kurz vor Kriegsende alle Spuren und Hinweise auf diese Morde zu verwischen und vernichteten nahezu sämtliche Dokumente, die darüber Aufschluss gaben. Bei Grabungen im ehemaligen Schlossgarten im Jahr 2001 wurden jedoch große Gruben mit menschlichen Überresten sowie Habseligkeiten der Opfer gefunden. Unter diesen rund 8.000 Gegenständen befanden sich auch Bruchstücke einer Tasse mit der Aufschrift „Eva Gessl“ – die einzige personenbezogene Aufschrift auf diesen Fundstücken, sieht man von rund 40 Häftlingsmarken des KZ Mauthausen/Gusen ab. Aufgrund der in jahrelanger Recherchearbeit aufgebauten Opfer-Datenbank der Dokumentationsstelle Hartheim, die mittlerweile etwas über 23.000 Namen und Daten von in Hartheim ermordeten Menschen umfasst, sind einige, wenn auch nur rudimentäre Informationen zur ehemaligen Besitzerin dieses Fundstücks bekannt. Die ‚Gastwirtswitwe’ Eva Gessl wurde am 9. März 1875 in Rauris (Salzburg) geboren und kam am 19. Oktober 1936 als Patientin in die Landesheilanstalt Salzburg. Am 16. April 1941 brachte man sie gemeinsam mit 67 weiteren Patientinnen im Rahmen der NS-Euthanasieaktion T4 nach Hartheim zur Ermordung. Hier wurden diese Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft mittels Kohlenmonoxyd getötet, ihre Leichen verbrannte man im eigens eingerichteten Krematorium. Die Angehörigen erhielten in der Folge Sterbeurkunden mit gefälschten Todesursachen und -daten.
Der 2003 eingerichtete Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuklären und den lange Zeit ‚namenlosen’ Opfern der NS-Euthanasie zumindest symbolisch ihren Namen, ihr Gesicht und ihre Lebensgeschichte zurückzugeben.
Objektdaten
Material: Keramik
Maße (Hauptfragment): 6,5 x 5,8 cm
Fundort: Ostseite des Schlosses Hartheim (Erdaushub)
Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim
Schlossstraße 1
4072 Alkoven
+43/ 7274/ 65 36 -546
office@schloss-hartheim.at
www.schloss-hartheim.at
Esperantomuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien
Das einzig erhaltene Plakat zum sogenannten ‚Fantoma Kongreso‘
Scan: ÖNB
Die Vorgeschichte:
Die bekannteste Plansprache ist das von Ludwik Lazar Zamenhof 1887 vorgestellte Esperanto. 1905 fand in Boulogne-sur-Mer der erste Esperanto-Weltkongress (Universala Kongreso) statt, der die erste Großveranstaltung war, bei der eine Plansprache zum Einsatz gelangte. Viele der Teilnehmer waren vor Beginn skeptisch. Aber sie wurden eines Besseren belehrt: Esperanto funktionierte nicht nur, sondern es funktionierte hervorragend: Die von diesem Ereignis ausgehende Begeisterung trug die neue Sprache in weite Kreise und bis in die 1930er-Jahre erlebte sie einen Höhenflug, den dann politische Ereignisse jäh unterbrachen.
Die Geschichte zum Plakat:
Für das Jahr 1914 war vom 2. bis 9. August der 10. Weltkongress in Paris geplant: 3.700 Teilnehmer aus aller Welt hatten sich angesagt, das Programm war bis in die Details festgelegt, das riesige Palais Gaumont in der Rue Caulincourt stand für das Ereignis bestens gerüstet zur Verfügung. Schauspieler hatten ‚George Dandin‘ von Molière für eine Gala-Aufführung auf Esperanto einstudiert. Reisegruppen bewegten sich schon in Richtung Paris, als am 28. Juli der Erste Weltkrieg ausbrach. Teilweise waren Reisende schon angekommen und wurden, wenn sie Bürger feindlicher Staaten waren, interniert. Zamenhof, dem Erfinder des Esperanto, gelang es, über Skandinavien und Russland in seine Heimatstadt Warschau rückzureisen, wo er noch vor Ende des Krieges starb.
Der Völkerhass war stärker als die völkerverbindende Idee der Friedenssprache Esperanto und hatte den 10. Weltkongress zum ‚Fantoma Kongreso‘ gemacht, zum Kongress, der niemals stattfand.
Objektdaten
Material: Plakat, Paris (Cornille & Serre 1914, Farbdruck)
Maße: 70 x 105 cm
Esperantomuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
Palais Mollard
Herrengasse 9
1010 Wien
+43/ 1/ 534 10 -371
herbert.mayer@onb.ac.at
www.onb.ac.at/esperantomuseum
Museum Thurnfels, Völs, Tirol
Sensationelle Entdeckung: Der Römische Gott, der fast 2000 Jahre unter der alten Pfarrkirche in Völs lag, zählt in ganz Tirol zu den bedeutendsten und schönsten Funden dieser Art.
Foto: Museum Thurnfels
Bei Renovierungsarbeiten in der alten Pfarrkirche, die heute als Aufbahrungsstätte und für kulturelle Veranstaltungen dient, führten Archäologen des Institutes für Ur- und Frühgeschichte in Innsbruck im Frühjahr 1999 Ausgrabungen durch und machten überraschende Entdeckungen. Knapp unter dem heutigen Fußboden verbergen sich Reste eines spätrömischen Gebäudes etwa des 3. Jahrhunderts. Aus den erhalten gebliebenen Bodenschichten bargen die Ausgräber eine Reihe von Funden, die einen faszinierenden Einblick in den Alltag der ehemaligen Bewohner gestatten.
Der wohl aufsehenerregendste Fund gelang den Archäologen mit der Bergung des Laufgewichts einer römischen Schnellwaage. Dargestellt ist der Gott Bacchus in seiner jugendlichen Form. Er gilt als Gott der Freude und Geselligkeit, der Fruchtbarkeit und des Weines. Das Völser Stück gehört zu den Büstengewichten und stammt aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Die Öse am Kopf verrät seine Funktion als Waagengewicht. Ihr Gewicht betrug bei der Bergung ca. 1038 g. Der Völser Bacchus ist das zurzeit einzige erhaltene derartige Stück in Nordtirol.
Objektdaten
Material: gegossen aus Bronze und mit Blei gefüllt
Maße: Breite 6,5 cm, Höhe 10,5 cm, Tiefe 4 cm
Fundort: bei Ausgrabungen in der alten barockisierten Pfarrkirche Hl. St. Jodok und Lucia
Museum Thurnfels
Dorfstraße 31
6176 Völs
+43 /512/ 303 111 -21
gemeinde@voels.tirol.gv.at
www.voels.at
Museum Franz Schubert und sein Freundeskreis, Atzenbrugg, Niederösterreich
Franz Schubert starb am 19. November 1828. Der Bronzeabguss nach der originalen am Totenbett abgenommenen Gipsmaske wurde 1928 von Carl Rudolf Anton Schubert gefertigt. Seine Tochter überließ die Totenmaske dem Museum.
Foto: Museum Franz Schubert und sein Freundeskreis, Christian Lang
Wie sein Vater anzeigte, „entschlummerte“ Franz Schubert am 19. November 1828 um 3 Uhr „zu einem besseren Leben […] nach kurzer Krankheit”. Er wurde in dem üblichen Einsiedlergewande, mit einem Lorbeergewinde um die Schläfen, in den Sarg gelegt. Die erste Einsegnung fand in der Kirche St. Joseph in Margareten statt, eine weitere in der Währinger Kalvarienkirche.
Die Maske wurde um 1928 von Carl Rudolf Anton Schubert (1884–1945) Metallgießer in Wien, nach der originalen Gipsmaske, die wahrscheinlich von Josef Alois Dialer (1797–1846) Franz Schubert am Totenbett abgenommen wurde, gefertigt. 1928 war die Gipsmaske im Besitz von Dr. Franz Köhler, der sie von Karl Kundmann, dem Bildhauer des Schubert-Denkmals, bekommen hatte. Das Museum erhielt die Totenmaske von Martha Böhm-Schubert, Tochter des Metallgießers Carl Rudolf Anton Schubert und Urgroßenkelin von Ferdinand Schubert.
Das Museum befindet sich im Schloß Atzenbrugg, einem von 1379 bis zum zweiten Weltkrieg zum Stift Klosterneuburg gehörenden Landschloss. Heute ist es im Besitz der Gemeinde Atzenbrugg. Zu Franz Schuberts Zeit war hier Josef Derffel als Verwalter für das Stift Klosterneuburg tätig, der ein Onkel von Schuberts Freund Franz von Schober war und der Schubert und seine Freunde um 1820 nach Atzenbrugg eingeladen hatte. Schubert selbst hat an diesen Landaufenthalten, wie es sich anhand seiner 1821 komponierten ‚Atzenbrugger Deutsche‘ und mehrerer Bilder seiner Maler-Freunde belegen lässt, in den Jahren zwischen 1820 und 1823 teilgenommen.
Museum Franz Schubert und sein Freundeskreis
Schlossplatz 1
3452 Atzenbrugg
+43/ 2275/ 5234
dietlinde.rakowitz@utanet.at
www.atzenbrugg.at
Salzburg Museum, Neue Residenz, Salzburg
Der Sonntagsspaziergang – Paradebeispiel der idyllischen, kleinbürgerlichen Welt des Biedermeier
Foto: Salzburg Museum
Das Bild gelangte im Jahr 1931 mit dem Nachlass der k.u.k. Admiralswitwe Fanny von Lehnert, die Salzburg eine Kunst- und Kunstgewerbliche Sammlung vermachte ins Museum. Carl Spitzweg, der Inbegriff des Biedermeier-Malers, zeigt hier ein Paradebeispiel der idyllischen, kleinbürgerlichen Welt seiner Zeit. Eine Familie, der Vater voran gefolgt von Frau und Kindern mit Gouvernante marschieren, wohl behütet und vor der Sonne geschützt im Gänsemarsch durchs Weizenfeld. Ein tief angesetzter Horizont erinnert an holländische Landschaftsmalerei und betont die Silhouette der Dargestellten. Einzelne Farbtupfer der Kleidung intensivieren die Farbpalette des Himmels und des Weizenfeldes.
Humorvoll, schrullig, ja karikaturhaft sind die Figuren„jede für sich in die Theaterkulisse eingefügt. Die Satire ist komplett. Mit der Beschäftigung mit kleinbürgerlichen, banalen Themen wendet sich das Biedermeier gegen die hohen Ideale der Romantik. ‚Der Sonntagsspaziergang‘ ist dafür ein Inbegriff!
Objektdaten
Carl Spitzweg (1808-1885), ‚Der Sonntagsspaziergang‘
Signiert und datiert unten rechts: „Spitzweg 1841“
Material: Öl auf Holz, 28 x 35 cm
Salzburg Museum, Neue Residenz
Mozartplatz 1
5010 Salzburg
+43/ 662 620 808 -700
office@salzburgmuseum.at
www.salzburgmuseum.at
Lokpark Ampflwang – Oberösterreichisches Eisenbahn- und Bergbaumuseum, Ampflwang im Hausruckwald, Oberösterreich
Höhepunkt der Schnellzugtenderdampflokentwicklung in Österreich, international gewürdigtes Beispiel einer sparsamen aber leistungsfähigen und damals modernen Konstruktion in wirtschaftlich und politisch schwieriger Zeit. Gründungslokomotive der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (ÖGEG), einzige betriebsfähig erhaltene Lok dieser Baureihe, denkmalgeschütztes Objekt.
Foto: Stefan Lueginger, ÖGEG
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 wirkte sich auch auf den Maschinen- und Lokomotivbau in Österreich katastrophal aus. Von den ursprünglich vier Lokomotivfabriken mussten drei (StEG in Wien, Krauß in Linz und vorm. Sigl in Wiener Neustadt) im Jahr 1930 die Produktion schließen. Nur die Wiener Lokomotivfarbrik in Floridsdorf konnte sich halten und eine bescheidene Produktion weiterführen. Der damalige Generaldirektor Arno Demmer holte von den ehemaligen Mitbewerbern die besten Fachleute in sein Unternehmen.
Die Österreichischen Bundesbahnen entschlossen sich trotz der sehr schwierigen Wirtschaftslage im Jahr 1930 zu Planung und Bau einer neuen Tenderdampflok für Schnellzüge auf kurzen Strecken nach einem Entwurf von Oberbaurat Lehner mit der Baureihenbezeichnung 729 (DRG; ÖBB 78.600). Die Übernahme bewährter Bauelemente anderer Loks sollte für den Betrieb Wartung und Ersatzteilhaltung günstig gestalten. Insgesamt wurden von 1931 bis 1938 28 Stück gebaut und in Dienst gestellt.
Die hervorragenden Leistungen der Maschine, ihr ruhiger Lauf und ihre Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h führten dazu, dass sie nicht auf den Kurzstrecken von Wien nach Osten oder Norden, sondern auf der West- und Südbahn eingesetzt wurde und als Paradeleistungen den Arlberg- und den Orient-Express zog, Züge mit gut 400 Tonnen Gewicht benötigten von Wien nach Salzburg nur ca. 3 Stunden und 45 Minuten (zum Vergleich: aktuell bewältigt ein Schnellzug mit gleichem Gewicht, gleichen Halten und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 bis 200 km/h die Strecke in ca. 2 Stunden und 40 Minuten). In den 1950er Jahren wurden die Maschinen generalüberholt und erhielten den Giesel-Ejektor, eine österreichische Erfindung, um Dampfloks sparsamer und zugleich leistungsfähiger zu machen.
Da im Jahr 1974 in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern kein aktives Eisenbahnmuseum vorhanden war, gründete eine kleine Gruppe von Enthusiasten die ÖGEG in Linz mit dem Ziel, den Bahnbetrieb in Österreich mit betriebsfähigen Loks und passenden Waggons zu dokumentieren. Zur Gründung des Vereins wurde die letzte betriebsfähige Lok der Baureihe 78, die 78.618 erworben und aufgearbeitet. Seither hat sie viele erfolgreiche Sonderfahrten in ganz Österreich absolviert, war eine der Stars zu den Feierlichkeiten 150 Jahre Eisenbahn in Österreich 1987, für die Kaiserzüge nach Bad Ischl und im Rahmen der OÖ Landesausstellung 2006 ‚Kohle und Dampf‘, mit der das Eisenbahn- und Bergbaumuseum Ampflwang begründet wurde, das inzwischen zu den größten und bedeutendsten Eisenbahnmuseen in Europa zählt.
Die Einmaligkeit der Lok 78.618 führte zur Kategorisierung als Denkmallok, sie ist also ein technisches Denkmal mit der Besonderheit des aktiven Bahnbetriebs, zugelassen auf allen normalspurigen Bahnstrecken in Österreich. Die sorgsame Wartung und Pflege sowie den Fahrdienst leisten die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitglieder der ÖGEG.
Objektdaten
Schnellzugtenderdampflokomotive, kohlegefeuert
Maße: Länge 14,99 m, Achsfolge 2´C2´
Gewicht: 109 Tonnen
Leistung: 1.700 PS
Vmax: 105 km/h
Einsatzbereich: Schnell- und Personenzüge auf den Strecken Wien – Salzburg / Passau, Wien – Graz, Linz – Graz, Linz – Summerau, Wien – Gmünd, Bischofshofen – Selzthal – St.Valentin / Amstetten, Wien – Krems – St. Valentin
Einsatzzeit: Plandienst 1931 bis 1974, seither im Museumsbetrieb
Lokpark Ampflwang – Oberösterreichisches Eisenbahn- und Bergbaumuseum
Bahnhofstraße 29
4843 Ampflwang
+43/ 664 5087 664
ampfllwang@oegeg.at
ÖGEG
Postfach11
4018 Linz
www.oegeg.at
Volkskundemuseum Graz, Universalmuseum Joanneum, Steiermark
Männerjacke, Steiermark, 19. Jahrhundert, Loden mit reichhaltigen Tuchapplikationen und Hirschhornknöpfen: Das Inventar des Volkskundemuseums verzeichnet im Jahr 1923 unter der Nummer 6.764 einen Lodenjanker als Geschenk einer Frau Pamperl aus Graz. In der Beschreibung wird angemerkt, dass es sich vermutlich um ein Faschingsgewand handle. 
Foto: UMJ, N. Lackner
In kulturhistorischen Museen lagern zuweilen Dinge, deren Entschlüsselung als kulturelles Zeugnis der Wissenschaft Rätsel aufgeben. Als kryptografische Codes liegen deren Zeichen offen da, Material und Techniken können bestimmt werden, Sachbezüge und Querverweise lassen sich herstellen, Symbole dechiffrieren, doch Funktion und Bedeutung des Objektes eröffnen sich dennoch nicht.
Am Beispiel eines Männerrocks mit ungewöhnlich reichen Applikationen, der 1923 dem Museum geschenkt wurde, führt das Volkskundemuseum hinter die Kulissen seiner alltäglichen Arbeit. Aus den spärlichen Aufzeichnungen im Inventar erfährt man nämlich nichts über seine Herkunft, seinen Besitzer und die vielfältigen Verzierungen. Woher stammt dieser Rock? Wer hat ihn getragen? Handelt es sich um ein persönliches Erinnerungsstück in Form einer dinglichen Biografie? Wer war Frau Pamperl, die dem Volkskundemuseum den Männerrock schenkte? Was erzählen die textilen Bildgeschichten? Und – welche Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet?
Wie in einer Detektivgeschichte lassen die Wissenschaftlerinnen des Museums alle Register der volkskundlichen Recherche anhand dieses Stücks spielen und verweisen auf die Vielstimmigkeit der Sprache der Dinge.
Volkskundemuseum Graz, Universalmuseum Joanneum
Paulustorgasse 11-13a
8010 Graz
+43/ 316/ 8017 -9881
volkskunde@museum-joanneum.at
www.museum-joanneum.at
Aus dem Positionspapier
‘Museum selbstbewusst.
Gegenwart und Zukunft der Museen in Österreich’
von Museumsbund Österreich und ICOM Österreich.
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